Unterirdische Gänge





Als die Burgen und Wehranlagen im Mittelalter gebaut wurden, hatten die Bauherren diese mit unterirdischen Gängen versehen, welche die Burgen miteinander verbanden. Diese Gänge waren flexibel angelegt und konnten auch zu Ratshäusern oder Gutshäusern führen. Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele von ihnen verschüttet oder das Wissen ihrer Existenz ging verloren. Roland und Anne stöberten in ihrer Freizeit gerne in alten verfallenen Gemäuern um nach Geistern oder anderen Abenteuern zu suchen. Sie fanden ihr grusligstes Erlebnis in einer Burgruine. In dieser fanden sie einen verschütteten unterirdischen Gang. Anne winkte Roland zu: „Komm mal schnell her, ich habe etwas gefunden“, rief sie aufgeregt ihm zu, und zeigte auf die Öffnung in der Wand. Roland besah es sich und meinte: „Das ist sicher einer der unterirdischen Gänge die einst die Burgen miteinander verbanden“. Er versuchte das Gestein wegzuräumen um besser sehen zu können. „Weißt du was“, sagte er: „Wir holen uns Werkzeug und kommen Morgen nochmal her“. Anne stimmte ihm zu, denn es wurde bereits dunkel und der Schein ihrer Taschenlampe reichte nur bis zum Boden, den sie beleuchtete, damit sie nicht über etwas stolperte. Gleich früh am nächsten Tag mit Schaufel und Spitzhacke bewaffnet, gingen sie erneut zu ihrem gestrigen Fundort. „Du siehst aus wie ein Schatzgräber“, sagte Anne lachend zu Roland, der mit der Schaufel die losen Steine versuchte aus dem Wege zuräumen. Nach einer Weile schweißtreibenden Schaufeln lag ein freier Gang vor ihnen. Nachdem sie eine Verschnaufpause gemacht hatten, holten sie ihre Beleuchtung aus dem Auto. Diesmal war es eine größere Lampe, die auch die Bahnwärter benutzen, wenn sie die Gleise abliefen, mit ihr konnte man weit in den Gang hinein sehen. Anne leuchtete in den Gang. „Huhhh ist das finster hier drin“, sagte sie, es schauderte ihr ein wenig. „Gehen wir doch mal ein Stück hinein“, sagte Roland. Die Luft roch modrig. Es war ein Wunder, dass es hier drinnen noch genug Sauerstoff gab. Er leuchtete die Wände mit seiner Lampe ab, um nach eventuellen Gefahrenstellen zu suchen. So gingen sie immer weiter und tiefer in den Gang hinein. Anne wurde es immer unbehaglicher zumute, darum wollte sie, dass sie wieder raus ans Tageslicht gingen. „Du bist ein Angsthase“, sagte er lachend zu ihr. „Aber geh nur zurück, ich komme gleich nach. Ich will nur noch nachsehen, was hinter der Biegung ist“. Anne blieb stehen und wollte warten bis er zurück kam. Sie sah wie er im Dunkel verschwand.

So alleine beschlich sie die Angst, sie wollte nur noch aus dem Gang heraus. Sie ging zurück stolperte über Etwas und ihr fiel die Lampe aus der Hand. „Oh nein!“, rief sie die Hände über den Kopf schlagend. Sie stand nun im Finstern, es war nicht einmal die Hand vor Augen zu sehen. Sie rief nach Roland, aber es kam keine Antwort. Das wird immer unheimlicher dachte sie, langsam tastete sie sich voran und endlich war sie wieder am Eingang des Ganges angelangt.

Vor dem Eingang saß bereits Roland, der sich den Hinterkopf hielt. „Was machst du denn hier?“, fragte sie ihm erstaunt. „Wie bist du überhaupt raus gekommen, ohne an mir vorbei zu gehen?“, entsetzt schaute sie ihn an.

Er erzählte ihr: „Als ich ein Stück hinter der Biegung war, ging mir das Licht aus und jemand gab mir einen Schlag auf den Kopf, mehr weiß ich nicht mehr. Als ich erwachte, lag ich hier vor dem Eingang.“. „Na toll“, sagte Anne ärgerlich. „Der, der nicht raus wollte, wurde heraus befördert, und ich, die heraus wollte, weil ich fast gestorben wäre vor Angst, musste laufen.“ Mit einer Handbewegung in Richtung Gang weisend sagte sie: „Aber hier rein gehe ich nicht mehr.“ Auch Roland hatte vorerst genug von grusligen Abenteuern.














Eine Friedhof Story





War die Tagesarbeit getan gingen die Männer des Dorfes gerne mal in den Kretscham, um sich am Stammtisch das Neuste vom Tage zu berichten. Die Gaststätte lag zentral in der Mitte des Dorfes. Die Oberdörfler benutzten ganz gerne auch einmal eine Abkürzung über den nahegelegenen Kirchhof. Dieser war auf der Eingangsseite mit einem großen schweren Eisentor geschützt, da es dieses jedoch nur auf einer Seite gab, blieb das Tor Tag und Nacht offen. Eines Abends es war schon spät, beschloss Erwin, um schneller vom Stammtisch nachhause zu kommen, auch mal im dunklen über den Kirchhof zu gehen. Dieses wurde von den Einwohnern vermieden, denn wars am Tag eine schnelle Abkürzung, konnte man es jedoch Nachts nicht empfehlen. Es war stockdunkel, wenn nicht grade der Mond durch die Wolken hervor schaute. Erwin nahm allen Mut zusammen und sagte zu sich: „Was soll mir denn schon passieren, wenn ich auf dem Weg bleibe, ich kenne den wie meine Westentasche.“ Als er so über den Friedhof ging, war ihm schon etwas gruselig zumute. Doch beschwipst von Bier und Schnaps, verwarf er alle Bedenken. Endlich, er war dem Ausgang schon nahe, hielt er inne und schaute über die vom Mond erhellten Gräber hinweg. Er sah einige schemenhafte Gestalten, die um ein Grab standen. Na sapperlot, was machen die denn mitten in der Nacht auf dem Friedhof, dachte er bei sich. Neugierig geworden vergaß er seine eigene Warnung, nicht vom Wege zu weichen. Er schlich sich näher heran um besser sehen zu können. Hinter einen steinernen Engel, der groß genug war, ihn zu verbergen, hielt er inne und schaute in Richtung des grusligen Geschehens. Die Leute, die um das Grab standen, waren altmodisch gekleidet. Die Männer trugen einen Frack und hielten ihren Zylinder vor sich in der Hand. Die Damen trugen lange Kleider, ihre Köpfe zierten große Hüte. Einer grub fortwährend das Grab aus, die anderen schauten schweigend zu. Was in Gottes Namen ist das für ein Teufelszeug, dachte sich Erwin und bekreuzigte sich mehrmals. Als er sich leise weg schleichen wollte, verspürte er einen Schlag auf den Kopf, er sank zu Boden.

Als er im Morgengrauen erwachte, lag er in dem frisch ausgehobenen Grab. Er war sofort hellwach. Mit Mühe und Not kletterte er aus dem Grab heraus, was nicht einfach war. Die lockere Erde hinderte ihn, immer wieder daran, immer wieder gab sie nach und er rutschte zurück ins Grab. Endlich, nach einer gefühlten Ewigkeit und dem Grauen der letzten Nacht vor Augen, schaffte er es schweißgebadet heraus. Der Totengräber, der zur frühen Morgenstunde zur Arbeit ging, sah von weitem das Geschehen am Grab. Er lief schnell heran und was sah er. Es war Erwin, der mühselig wild mit dem Armen rudernd versuchte aus dem Grab zu klettern. Im ersten Moment, wütend von so viel Unvernunft, musste er doch von dem komischen Aussehen der Sache laut lachen.

Dieses Ereignis erzählte er am Abend am Stammtisch zum Ärgernis von Erwin. Dieser berichtete seinen Teil der Story, die ihn keiner glauben wollte, erst als mehrere Passanten merkwürdige Dinge auf dem Kirchhof beobachteten, glaubte man ihm. Ein Bischof weihte den Kirchhof und es zog wieder Ruhe und Frieden ein, außer wenn wieder mal einBetrunkener in ein offenes Grab fiel, um dort seinen Rausch auszuschlafen, diese Option blieb auch weiterhin bestehen.














Ein letzter Gruß





Sina lebte seit Jahren in ihren Elternhaus, sie war hier groß geworden, hier lebten einst ihre Großeltern. Es war ein großes mehrstöckiges Haus, genug Platz für alle Generationen. Nun, nach so vielen Jahren der Gemeinschaft war sie allein. Traurigkeit umgab sie. Ihr Vater war vor einigen Jahren verstorben und nun vor ein paar Tagen auch ihre Mutter.

Sie saß in ihren Zimmer lauschte dem Wind der am Fenster rüttelte als ob er hinein wollte. Als sie so lauschte hörte sie im Obergeschoss, dort wo des Mutters Zimmer war schlürfende Schritte. Sie horchte auf, es war ein beruhigender Ton, der ihr für kurze Zeit das Gefühl gab, nicht mehr allein zu sein. Fünf Minuten später, sie war wieder in der Realität angelangt, rannte sie die Treppe hoch um nach den rechten zu sehen, doch da war nichts.

Nur tiefe Einsamkeit umgab sie. Sie ging zurück nach unten verrichtete ihre Hausarbeiten, um auf andere Gedanken zu kommen. Doch immer wieder hörte sie Schritte im Obergeschoss, es erklang das Klacken der Tastatur der Schreibmaschine auf dieser ihre Mutter oft schrieb oder sie hörte ihre Lieblingsmusik. Am Anfang machte es ihr Angst, doch weil sie sich wohl und nicht bedroht fühlte, wurde es zur Gewohnheit. Das große Haus gaukelt mir etwas vor, dachte sie viele Male. Immer wieder sah sie die Bilder von früher vor sich, es waren glückliche Jahre. Wenn Freunde kamen und gingen spürte sie, wie sehr sie die Gemeinschaft vermisste und sie beschloss das Haus schweren Herzens zu verkaufen. Käufer fanden sich schnell und sie zog in eine Wohnung in der Stadt. Der Spuk hatte ein Ende.








© Lorena Fuchsberg 2019